Mit Gewalt gegen Gewalt von Fachkräften?

Wir können davor nicht die Augen verschließen: Es gibt Gewalt von pädagogischen Fachkräften in KiTa und Schule gegenüber Kindern. Oft subtil und unbeabsichtigt, manchmal grob und andauernd, häufig unbewusst und im Stress.

Es ist ein Gewinn für die Kinder und damit für die Gesellschaft, solche Verhaltensweise zu benennen und nicht länger zu tabuisieren. Zugleicht gibt es etwas, was mich schreckt oder aufrüttelt. Das ist der Ton und die Vehemenz, in dem über das Thema gesprochen wird. Ich höre darin eine Position des Rechthabens und des Besserwissens. Die finde ich schwierig, ja ebenso gewaltvoll.

Um mich klar auszudrücken: Unbedingt ist die Würde des Kindes zu achten. Dafür tragen pädagogische Fachkräfte in KiTa und Schule eine riesige Verantwortung. Sie halten den Rahmen, dass Kinder in ihrer Individualität in der Gemeinschaft heranwachsen können – und brauchen unseren Respekt und unsere Unterstützung, diese Aufgabe bewältigen zu können.

Deshalb ist für mich die Frage, wie sehr wir die Würde von übergriffig oder aggressiv handelnden Fachkräften wahren, wenn wir deren unangemessenes Verhalten anprangern oder anklagen. Schlagen wir dann nicht eher die Tür zur Einsicht und Wandlung zu, statt sie zu öffnen? Andere für die eigene Sicht zu gewinnen gelingt selten aus einer Richtig-Falsch-Perspektive. Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, sagte sinngemäß: Mit der Idee, eine gute Mutter sein zu wollen, landest du unweigerlich in der Hölle. Auf die KiTa oder Schule übertragen: Die Suche nach der perfekten Fachkraft führt zur Überforderung und in eine Sackgasse. Oder wie der südafrikanische Erzbischof sagte: So lange wir Menschen sind, werde wir Fehler machen. Also müssen wir demütig mit uns und den anderen sein und einander vergeben – gerade wenn sie etwas taten, womit wir nicht einverstanden sind.

Diese Haltung befreit von der Idee des Rechthabens und des Genau-Wissen-Wollens, wie es geht.

Sie schafft Raum, das unangemessene Verhalten zu benennen und den Menschen zu sehen, der es nutzte. Was ist bei ihm? Was ist bei mir? Wie kann es in Zukunft weitergehen, gemeinsam?

Wie Gewalt gegen Kinder von pädagogischen Fachkräften gewaltfrei beantwortet werden kann, beschreibe ich in einem Beitrag für KiTa aktuell 2-2020.

Ich lade Sie ein, mit mir darüber zu diskutieren.

gewalt-von-fachkraeften-gewaltfrei-verhindern-kita-aktuell-2-2020